2015-Medoc 4

letzte Aktualisierung
28.06.2017

Besucherzähler Für Homepage
 

bar

LT-Schneewittchen

Rodgau2
Rodgau1

Patricia Marschall „Didi zeigt Schneewittchen den Weg zur Wahrnehmung und das Laufen wirst Du spüren können.“ (Rodgau 2012)

Für 2012 will ich mir andere Ziele setzten und so beschloss ich zwar anwesend in Rodgau zu sein und doch was Besonderes zu machen. Bei der Anfrage im gleichen Renntempo am Start von Rodgau einen Blinden zu begleiten, sagte ich spontan zu, denn sowas wollte ich schon immer gemacht haben. So nahte der Tag und plötzlich war ich wieder so aufgeregt, wie vor meinem ersten Wettkampf. Ich war schon in der Vorstellung damit überfordert (ich mit meinen tausend Fragen), wie findet man sich in einer Turnhalle mit 1000 Anmelder. Dietmar Beiderbeck als Didi bekannt, wie wird er mich finden als Nichtsehender. Also Frage beantwortet, Ich war darauf angewiesen, ihn zu finden und so streifte ich über jede Person und inspizierte jeden der nur am Eingang hereinmarschierte und blickte so dann plötzlich mit Augen gerichtet geradeaus auf -zu meiner Überraschung Monika Widmann meine Lauffreundin aus Stuttgart- steht paar Meter vor mir. Unsere Freude war groß und es gab nun Knuddelminuten auf dem, wie alle Ultraläufer sagen auf dem Klassentreffen. Da steht sie einfach vor mir. Ich erzählte von meinem Vorhaben und Günter Löchner sprang sofort auf den Stuhl und suchte mit mir mit, denn sie hatten beide schon Didi mit einem Blindenstock gesehen. Ja, dachte ich mir. Man sucht nach einem Mann mit Stock, so einfach. Didi, kam mir dann mit seiner Frau Ute entgegen und wir begrüßten uns herzlich, obwohl wir uns völlig fremd waren. Didi erklärte, er hätte gleich noch etwas Gelbes an und wir würden uns an der Holzhütte im Startbereich treffen, alles andere später. Damit wusste Didi nicht, dass er meine Aufregung noch mal erhöhte, denn ich will immer alles genau wissen. Ich hatte quasi nur eine Chance schnell die Ehefrau etwas zu fragen. Er sieht nur schwarz/weiß und Schatten. Ich sagte, ich bin so aufgeregt und sie meinte, brauchst Du nicht bleib locker. Und so stand ich in der Turnhalle zwischen einer Menschenmasse und wusste nicht mehr wie locker ist.

An der Holzhütte dokumentierte die Ehefrau via Fotoapparat, dass ich die 13te Frau bin und Didi erklärte die Frauen als Guide kann er noch zählen. Es gab nur eine Sache die ich verstehen sollte und damit muss man einverstanden sein. Hinten am Rücken gab es für mich ein Schild mit dem Namen GUIDE und Didi hatte am Rücken ein Schild mit den Namen BLIND stehen. Diese Schilder sind im Verlauf des Rennens sehr wichtig. Dann gibt es zwischen uns nur ein Band (Kordel), was jeder nur mit einer Hand festhält. Didi läuft ohne Blindenstock. Wir stellten uns hinten an und Didi sagte endlich die Worte, ich bräuchte nicht aufgeregt sein. Er hätte es von seiner Frau gehört, dabei ergibt sich alles und dabei ist nix zu können. Und schon sprudelte ich mit meinen Fragen, welche Hinweise benötigst Du? Muss ich Dir die Beschaffenheit des Weges beschreiben, ob Matschig, rutschig, Steinig, Löcher, ob Kurven kommen, ob es hoch oder runter geht, wann die Verpflegungsstelle kommt, was an der Verpflegungsstelle steht. Das waren meine Sorgen und tausend Fragen. Ich fragte aber nicht das Wichtigste: „ Didi, wie Fit bist Du?“ Er kommentierte mir meine tausend Fragen mit: Ich spüre denn Weg, ich zähle Schritte und weiß nach her selbst wo die Kurven und der Verpflegungstand kommt. Läufer die vor ihm die Laufgeschwindigkeit drosselten, spürte er sofort. Didi erklärte mir, ich sollte ihm dort Hinweise geben wie ich sie mir selbst geben würde wie „ Vorsicht Stock“, denn da würde ich an der Stelle ja auch mir selbst Bescheid geben. Ansonsten kam ich mit der Situation in der Kopfvorstellung soweit klar, weil ich den Unterschied kenne in der Nacht zu laufen. Denn bei Nachtläufen verarbeitet das Gehirn, nur die Dinge die man sieht und spürt. Am Tag läuft man verhaltender, weil man mehr Wahrnimmt. In der Nacht, da macht man sich nicht so viele Gedanken und man läuft einfach. Und wenn man eben in einer Pfütze tritt, dann ist das so. Auch Didi und ich hatten unterwegs kleine Pfützen, ich sagte hier Didi nicht Bescheid und es funktionierte, das sind die ungeschriebenen Gesetze beim Laufen dass seine Schuhe trocken blieben ;-)! Aus Erfahrung weiß ich selbst, wenn ich mir sage: Achtung Pfütze, dann macht es bei mir Platsch. Die erste Runde war easy und nach der zweiten Runde sagte Ehefrau Ute, sie ginge mal zum Auto und zum Hund. Wow, dachte ich sie vertraut mir und sie sieht wohl es funktioniert. In der dritten Runde erfährt man von Didi dann auch mehr, er hat schon über 100 Marathon Läufe gemacht und ganz besonders hat er Spaß an Trails. Er hat viele Ideen und Ziele im Kopf, aber leider ist er immer darauf angewiesen einen Guide zu finden. Und somit weiß er nicht, ob er nun dann sich Freuen kann auch dort und hier zu starten. Außerdem trainiert er für keinen Lauf, denn auch für die Vorbereitung fehlt ihm ein Guide. Unterwegs schon in der vierten Runde, wenn nun der Kopf anfängt sich Frei zu fühlen und meine Sinne sich mir mehr nähern, waren die Worte von den Mitläufern „ Super, ihr Zwei – Hallo Didi- Hallo Schneewittchen- Ihr macht das“! Was bei mir ganz tief im Herzen ankam und was diesen Lauf auch so unvergesslich macht. Die Guide und Blinden Schilder sind wichtig, weil man mit Hochachtung auch anmerken muss, sogar ein Schneller Läufer nimmt sich die Zeit an uns vorbei zu laufen und nimmt sich auch die Zeit zu sagen, dass er das Prima findet. Eine Situation am Verpflegungsstand fand ich aufregend, weil die ganz schnellen Läufer zeitgleich dort schnell an die Getränke wollten. Didi spürte die Unruhe sofort und bevor ich was sagen oder reagieren konnte, berührte Didi mich kurz an meinem Arm und blieb direkt bei mir und ich musste mir keine Gedanken machen, wie ich jetzt mich zu verhalten habe. Didi hatte schneller reagiert wie ich Denken konnte.

Nun, bin ich mit einem Blinden gelaufen und man stellt sich nur vor jemand sieht schwarz. Nein, ich lernte hier für mein Zukünftiges Leben. Man sieht nicht nur mit seinen Augen. Denn Didi sagte plötzlich im Gewusel, da ist die zweite Frau an uns vorbei. Hä? So dachte ich und sagte: „Wie geht das? Und er sagte, ich höre plötzlich ein Fahrrad (was im Wald nicht oft vorkommt) und eine Frau, eine schnelle Frau die sich einfach anders anhört und sich anders bewegt. Patricia zwischen all diesen Menschen, verstehe ich auch mehr wie Du was die Sprechen und energetisch kann ich Stimmungen spüren.

Und an dieser Stelle möchte ich mit diesem ganz besonderen Lauferlebnis sagen, dass ich mich an dieser Stelle fragen muss welche Fähigkeiten hier besser sind. Wir sollten uns schämen von Menschen mit Behinderung und Handicap zu sprechen! Und so verstand ich mit Gänsehaut zum ersten Mal dieses Zitat im Herzen denn wie schon von Saint-Exupéry „Der kleine Prinz“ gesagt „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar“

 

Nach 22 Kilometer übte ich mich im loslassen (was mir im Leben schwer fällt, ich hätte es gerne durchgezogen) aber nach dem mir Didi Laufstark TEMPO machte, gab er noch richtig Tempo vor und wie man auf dem Foto sieht, Didi hat Lust und Kraft und Lächelt! Diese Lebensphilosophie klaue ich mir für das Leben. Denn er verriet mir, nur mit guter Laune und guten Gedanken schafft man das was man vorhat. Ich danke ganz Herzlich Didi, schön dass es Dich gibt!