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letzte Aktualisierung
28.06.2017

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LT-Schneewittchen

Wenn nicht jetzt, wann dann ? " 24Stundenlauf Delmenhorst am 16./17.06. 

Hallo liebe Leserinnen und Leser,

nun, ich war in den letzten Monaten nicht ganz laufabstinent, neben einem Halbmarathon in Porz-Zündorf (pers. Bestzeit in 2.13 Stunden), einem 6Stundenlauf um den Sander See bei den Ultrafriesen (38 km, nicht ganz so dolle) war ich in Iserlohn beim 24Stundenlauf um den Seilersee am Start. Hier ging es mir darum, mit möglichst wenigen Pausen möglichst weit zu kommen, um für Delmenhorst gut gerüstet zu sein. Na ja, in der Nacht überkam mich wieder eine Müdigkeit, so ca. 5Stunden musste ich mich \"auf´s Ohr hauen\". Trotzdem staunte ich nicht schlecht, dass ich nach weiteren kleinen Pausen am Ende knapp 97 km gefinisht hatte. Ich war stolz wie Bolle, die Grundlagen für meinen ersten \"100er\" waren gelegt.

Ende Mai ging´s erst mal in den Urlaub nach Mallorca. Bei super Wetter und auch sonst war es sehr schön, hatte ich mich gut erholt. Zugegeben, viel gelaufen bin ich nicht, aber mein Selbstvertrauen ließ mich nicht in Stich.

Da sitze ich auch schon im Auto Richtung Delmenhorst und denke: \"Der Lauf ist ja ein Heimspiel für mich, schließlich bin ich halber Delmenhorster und nehme hier zum dritten mal teil. Da kann nix schiefgehen !\"

An der Burginsel angekommen werden erst mal viele Bekannte begrüßt, man kennt sich aus der Ultraszene. Gelaufen wird ein 1,205 km-Rundkurs durch die schöne Delmenhorster Graftanlage. Am Samstagmittag um 12 fällt der Startschuss, nachdem ich vorsichtshalber in der benachbarten Turnhalle Luftmatratze und Schlafsack deponiert habe. Ich laufe in gemütlichem Tempo, schließlich bin ich noch lang unterwegs, mittels eines um das Fußgelenk befestigten Transponders wird jede Runde genau festgehalten. Du kannst an einem Monitor Rundenzeit, Gesamtkilometer und Anzahl der absolvierten Runden, Platz Gesamtklassement und Alterklasse ablesen. Besonders erwähnenswert ist die Verpflegung. Hier findest Du einfach alles, was das Läuferherz braucht. Es wird nicht langweilig, denn ab und zu wird das eine oder andere Wort gewechselt. So ist nach etwas über sieben Stunden die Marathondistanz geschafft. Puh, Hunger, jetzt erst mal Abendessen: Mehrere Sorten Nudeln, Pellkartoffeln mit Quark oder Milchreis. Ich beschließe, mich in der Turnhalle umzuziehen und mich etwas auszuruhen, so geht es nach ca. 2 Stunden weiter.
Es trägt mich jetzt doch mühsamen Schrittes durch den Spätabend bis Mitternacht. Die schönen Bäume werden mit bunten Lampen ausgeleuchtet, ein wunderschönes und zugleich märchenhaftes Bild tut sich auf. \"Mensch, ich bin überhaupt nicht schläfrig, ich kann die Nacht zum Tag machen,\" denke ich. Nachdem ich eine warme Fleischbrühe vertilgt habe sind schon gut 60 km im Sack, Zeit für eine kleine Pause.

Um 3 Uhr treibt es mich unruhig auf die Strecke, schließlich will ich das Morgengrauen erleben. Bei 15° kann man es aushalten, Regen, davor hatte ich etwas Angst, Fehlanzeige. Ich denke: \"Wow, nur noch neun Stunden und nur noch knapp 40 km, das packst du !\" Doch von nun an wird es immer schwerer. Die Schritte werden immer kürzer und die Beinmuskulatur schmerzt. Ich ziehe es vor, zu gehen. Mittlerweile benötige ich für eine Runde 17 Minuten. Eine Runde gehen, eine Runde laufen im Wechsel, das paßt, bloß keine Panik. Immer wieder am Verpflegungspavillon Kraft tanken, ist ja genug Brennstoff da. Endlich, 7 Uhr, es wird Frühstück mit belegten Brötchen und Kaffee aufgefahren, es ist tatsächlich schon hell. \"Nix da\", sage ich mir, \"mach wenigstens die 80 km voll, dann hast du dir das Frühstück verdient !\"

Das hat gut getan, nach ca. 1 Stunde und frischen trockenen Sachen bin ich weiter auf meiner Mission \"100km\" unterwegs. Laufen kann ich nicht mehr viel, also walke oder gehe ich 17er Runden. Ich schaue auf den Monitor, ich fasse es nicht, 90,4 km. Nur noch acht Runden, der Moderator kündigt an: \"Da ist der Bernd vom LT Schneewittchen, der sieht gut aus!\" Wenn der wüsste, wie ich mich fühle. Das einzige, was mich jetzt noch vorantreibt, ist dieses dämliche 100km-Fähnchen, welches man eine Runde hochhalten darf, was für ein Fest.

Es ist vollbracht. Der Moderator kündigt es lautstark an und drückt mir dieses Fähnchen in die Hand:\" Super Timing, Bernd Zitzen holt sich die Fahne und hat noch knapp 30 Minuten Zeit, prima !\" Diese Runde mit der Fahne in der Hand drückte mir die Tränen in die Augen. Du wirst aus allen Ecken und Kanten jubilierend angefeuert, ein unbeschreibliches Gefühl, welches ich so schnell nicht vergessen werde.

Nach dem Signalton um 12 Uhr, nach 24 Stunden, habe ich 101,417 km geschafft. Was kommt wohl als nächstes ?

Euer Bernd  

Delmenhorst